Ängste in der Corona-Zeit

 

Mut ist die Fähigkeit, Angst zu überwinden.

Kein Mensch hat Mut, der die Angst nicht kennt – denn dann braucht er keinen.

 

Für viele ist die Angst in letzter Zeit ständige Begleiterin geworden, seit der Ausnahmezustand zum Dauerzustand wurde und wir gesellschaftliche Umbrüche erleben, wie wir sie uns noch vor wenigen Jahren im wildesten Traum nicht hätten vorstellen können.

 

Ängste nähren sich aus Erfahrung – so geht es mir zumindest. Was Krankheiten angeht, so betrifft das in erster Linie Krebs, da viele aus meinem Familien, Freundes- und Bekanntenkreis daran verstorben und noch viele mehr daran erkrankt sind, die es überlebt haben, aber den Rest ihres Lebens unter den Folgen leiden - und sei es unter der Angst, dass der Krebs wiederkommt.

 

Angst werden auch jene kennen, die Menschen durch Covid-19 verloren haben, schlimme Verläufe im Umfeld miterlebt oder selbst durchgemacht haben. Auch können allein schon panische Medienberichte große Ängste hervorrufen, das kann ich allerdings nur vermuten und beobachten, da ich selbst bei neuen Viren erst einmal abwarte, was passiert. Ich kannte auch junge gesunde Leute, die an der Grippe verstarben. Dies waren jedoch zum Glück nur sehr wenige, sodass mich selbst eine Angst davor nie ereilte. Ängste sind immer persönlich, und niemand hat das Recht, sie abzuwerten. Wenn Medien aber gewisse Ängste schüren und verstärken, so kann das eine diffuse Massenpanik mit all ihrer Irrationalität und auch Wut auslösen.

 

Ein Phänomen dieser Zeit ist auch, dass zwischen legitimen und fragwürdigen Ängsten unterschieden wird.

 

Diejenigen, die sich vor dem Virus fürchten, erfahren viel Verständnis. Schließlich ist die hohe Gefährlichkeit des Virus und seiner Mutanten tägliches Thema in Talkshows, Zeitungen und Nachrichten. Dann gibt es hilfreiche Tipps wie AHA-Regeln, Kontakte einschränken, Zuhause bleiben oder Händewaschen: Problem und Lösung.

 

Während andere, die die Auswirkungen des Lockdowns aus eigener Erfahrung oder dem Erleben anderer kennen, wie Depressionen, Geschäftsaufgaben, familiäre Krisen, Suizide, Hoffnungslosigkeit, Repressionen, oft mit ihrer Sorge allein dastehen und bei logischer Kritik an Maßnahmen noch als „Verschwörungstheoretiker“, „Rechtsextremisten“ (ja, genau, als was bitte?!), "Coronaleugner", "Schwurbler", etc. beschimpft werden.

 

Jemand, der aus Angst vor Nebenwirkungen und den bislang unbekannten Langzeitfolgen die Impfung ablehnt, ist „Impfgegner“ oder „Impfverweigerer“, ganz egal, gegen welche Viren und Krankheiten er sich sonst impfen lässt.

 

Auch ich kenne das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts einer Politik, die sich immer mehr von der Realität der Menschen entfernt, das Unbehagen angesichts einer immer weiter andauernden Unsicherheit.

 

Und ich denke, dass man Ängste transformieren muss, um sie zu überwinden. Das ist das, woran man persönlich wächst.

 

Ich hatte früher viel mehr Angst als heute. Krisen waren auch immer Treibstoff, denn sie setzen viel Energie frei. Als lebensfroher Mensch kenne ich zum Glück wenige davon. Einmal war es eine persönliche Krise, die ich gerade gut überstanden hatte, als im Frühjahr 2020 Corona wie ein Paukenschlag mit dem ganzen Mediensturm über mich hereinbrach.

 

Kaum war die Pandemie offiziell verkündet, erschienen in den Werbepausen schon fertige Spots wie #Wirbleibenzuhause. Spätestens da wusste ich: Das wird ein längeres Ding. Dagegen konnte ich erstmals gar nichts tun und fühlte mich ohnmächtig. Um mich herum fürchteten alle das Virus, ich hatte vor ganz anderen Dingen Angst. Die ich vor einem Jahr noch nicht äußern konnte, aus Angst, nur Unverständnis zu ernten. Aber ich ahnte und fühlte gleich, wohin das Ganze steuert. Heute zeigt sich, dass immer mehr Menschen so empfinden wie ich damals:

 

Wovor die Menschen in Corona-Zeiten am meisten Angst haben, das fragte ich neulich auf Twitter.

 

Die Resonanz war groß. Was sehr viele Antworten gemeinsam hatten, ist die Angst vor dem Niedergang der Demokratie, vor Impfpflicht, vor dem Staat, vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft, davor, dass die Kinder nicht in Freiheit leben können. Ich habe nun mehrfach alles durchgelesen – vor der Erkrankung an Covid-19  hatte, soweit ich sehe, niemand der 571 Personen Angst. Ich kann es hier nur kurz zusammenfassen, lesen Sie selbst hier nach. Die eben zitierten Antworten wiederholen sich maximal.

 

 

Was wir tun können

 

Ich habe keine allgemeingültigen Rezepte gegen Angst, aber ich kann beschreiben, was mir selbst geholfen hat.

 

Wenn ich Angst habe, etwas zu tun oder zu sagen, von dem ich denke, dass es richtig ist, dann zwinge ich mich dazu. Denn es befreit. ‚Der Weg durch die Angst ist mitten hindurch‘ beschreibt meine Haltung sehr gut.

 

Was jeder tun kann ist, sich seine Angst genau anzuschauen und sich fragen, was das Schlimmste ist, das passieren kann und nachforschen, wie wahrscheinlich es ist, dass genau diese Situation eintrifft. Existiert eine reale Gefahr, gilt es, zu handeln und zu tun, was immer man dagegen machen kann. Sucht euch dazu Gesprächspartner und Verbündete. Lasst euch helfen.

 

Ihr könnt die Weltpolitik nicht verändern, aber ihr könnt negativen Menschen und einer Regierung eure wertvolle Energie entziehen, indem ihr sie vergesst und euch um euer Umfeld kümmert, dort so viel Gutes bewirkt, wie immer möglich. Das zieht Kreise, die zählen. Und das ist unsere Macht in dem ganzen Chaos.

 

Ich glaube übrigens nie Berichten, die darauf ausgelegt sind, Angst zu schüren. Sei es im öffentlichen Rundfunk oder in den alternativen Medien. Es gibt auf allen Seiten Leute, die Panik verbreiten. Ob sie mit einer FFP2-Maske unter der Dusche stehen, weil sie glauben, Nachbars Aerosole kommen durch die Klospülung, oder die Welt geht unter, weil der Maya-Kalender endet, oder erzählen, wir werden von Echsenmenschen vom Planeten Ultra regiert. Das Wort „Verschwörungstheorie“ ist zwar inflationär im Umlauf, um regierungskritische Stimmen zu veralbern, und daher verbrannt - dennoch gibt es Leute, die sich viel Mühe geben, dass man ihrer kruden Theorie folgt, um vom Wesentlichen abzulenken. Von den Dingen, die wirklich schieflaufen. Und um die zu erkennen, braucht man keine geheimen Quellen - es reicht, wenn man die Augen aufmacht. Und genau darin liegt das Problem. Ich denke:

 

Es ist falsch, dass die meisten nur glauben, was sie sehen. Die meisten glauben was sie wollen – egal, was sie sehen.

 

Ängste kann man durch einen Realitätscheck in den Griff bekommen und durch die Unterscheidung, was ist meine Projektion, was kenne ich vielleicht von früher, und was davon stimmt aktuell? Darüber reden ist Gold wert. Über alles, was euch beschäftigt. Sucht euch ein Netzwerk, Leute, mit denen ihr euch wohl und verstanden fühlt.

 

Geteilte Angst ist halbe Angst: Wir sind nicht allein. Und ich bin froh und stolz über so eine tolle Community.

 

Titelbild: pixabay


 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Yvonne Greiner (Samstag, 07 August 2021 00:03)

    Vielen Dank für den guten Artikel!

  • #2

    Tobias Mauz (Samstag, 07 August 2021 09:00)

    Wunderschöner Artikel. Tut gut dies zu lesen.

  • #3

    Manu (Samstag, 07 August 2021 09:44)

    Toller Artikel. Es beschreibt die Zeit in der wir leben hervorragend. Danke dafür.

  • #4

    Simone Wolfram (Samstag, 07 August 2021 15:26)

    Vielen Dank für dein Statement. Ja, du hast vollkommen recht, dass es wichtig ist sich seinesgleichen zu suchen und zu kontaktieren. Da bin ich noch auf dem Weg…

  • #5

    Fae (Sonntag, 15 August 2021 16:31)

    Danke für diesen ausgezeichneten Artikel! Wahrlich kann Angst der Weg zur dunklen Seite werden.