Testpflicht oder: Wie wollen wir leben?

 

In der gestrigen Ministerpräsidentenkonferenz wurden mit der Testpflicht massive Einschränkungen für das öffentliche Leben Ungeimpfter beschlossen. Ab Oktober muss man Tests selbst bezahlen. Wer dann weder geimpft noch genesen ist, sich weiterhin nicht impfen lassen möchte, dem bleibt nicht nur der Zugang zur Innengastronomie, Kosmetikstudios und Friseuren, Veranstaltungen, Kneipen und Fitnessstudios verwehrt – die 3G Regelung betrifft auch den Zugang zu Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen.

 

Bislang liegen die Kosten für Tests ca. zwischen 20-50 EUR. Ein negativer Schnelltest gilt 24 Stunden, ein PCR Test 48 Stunden. Wer sich das nicht leisten kann und sich nicht impfen lassen will, der bleibt in Zukunft draußen.

 

Was tun dann sozial benachteiligte Menschen, die kein Geld übrighaben, sich aber dennoch nicht impfen lassen wollen, wenn sie Ihre Verwandten im Krankenhaus besuchen wollen? Auf den nächsten Lebensmittel-Einkauf verzichten? Nein, denn sie können sich ja impfen lassen, ob sie wollen oder nicht.

 

Ein Gremium, das nicht mal im Grundgesetz verankert ist, hebelt unser Grundgesetz aus – Menschen werden vom öffentlichen Leben ausgeschlossen, wenn sie ihre Gesundheit nicht beweisen können.

 

Damit wird eine Spaltung unter den Menschen befeuert und eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gefördert, wie sie die meisten von uns wohl in den kühnsten Träumen nicht vorausgesehen haben. "Bedenken Sie auch: So manches wird unbequem für Sie werden, wenn Sie sich nicht impfen lassen." Ministerpräsident Kretschmann machte kürzlich in einer Ansprache klar, worum es der Regierung geht: den Druck auf freie Menschen zu erhöhen, koste es was es wolle - mittels erschreckender Polemik und massiven Einschränkungen unseres alltäglichen Lebens.

 

Wie ist es möglich, die freie Willensentscheidung als Option einfach zu negieren und im gleichen Atemzug davon zu sprechen, es gäbe keinen „Impfzwang“? Welcher neue Totalitarismus macht sich da breit?

 

Was ist mit Arbeitgebern, falls sie diese Testpflicht umsetzen ohne Tests zu subventionieren? Für prekär Beschäftigte ein Desaster. In Frankreich kündigten bereits Beschäftigte aus der Pflegebranche, als Reaktion auf die Impfpflicht.

 

Auf die Entscheidungen der MPK wurde prompt reagiert: Auf Twitter trendet der hashtag #Testboykott seit gestern auf Platz 1.

 

Die Menschen reagieren mit Entschlossenheit. Dagegen.

 

Und doch gibt es auch heute noch welche, die alles mit Zähnen und Klauen verteidigen, was von „oben“ beschlossen wird. Ich verzichte hier bewusst auf Zitate von Leuten, die „Impfverweigerer“ auf Ordinärste und Primitivste beschimpfen, sie am liebsten „in Lager sperren“ möchten und als Feinde der Gesellschaft diffamieren.

 

Was ich lesen muss an menschlichen Abgründen in diesen Tagen spottet jeder Beschreibung. Ich sehe hier auch viel Angst, die in Hass umschlägt. Sicher sind auch jene dabei, die ihre eigene Impfung bereits insgeheim hinterfragen, da zu Langzeitfolgen noch nichts bekannt sein kann. Und solange nicht wirklich alle mitmachen, fühlen sie sich allein, weil die „bösen Ungeimpften“ ihnen zeigen, dass es auch anders geht.

 

Warum nimmt man Sorgen und Bedenken nicht ernst, und akzeptiert sie? Und wie lange gilt überhaupt der Status „vollständig geimpft“? Was ist mit denjenigen, die heute doppelt geimpft sind, aber die Impfung vielleicht bald öfters wiederholen müssen, um den Status zu behalten? Der allseits beliebte Experte Karl Lauterbach zog das bereits öffentlich in Erwägung. Es dürften also einige mitbekommen haben.

 

Die BILD, bislang nie meine Zeitung gewesen, macht derzeit durch überraschende Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Unter anderem der Artikel mit Headline „Kanzlerin, wir wollen Einigkeit und Recht und Freiheit“ führte auf Twitter zu dem sehr populären Trend #DankeBild.

 

Die Corona-Politik der Regierung wird hier bis ins Tiefste kritisiert.

 

Der hashtag #HaltdieFresseBild, der auch gleich wie auf Knopfdruck erschien, gibt den Intellekt und die Geisteshaltung mancher Twitterer perfekt wieder.

 

Ein Bild TV-Sender kommt am 22. August ins Fernsehen, um Fragen und Belange der Menschen anzusprechen, die bislang im tendenziösen öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterrepräsentiert sind.

 

Man kann zur BILD stehen wie man will- was die Zeitung immer getan hat, sicher nicht fern von Profitgründen, war, populäre Themen öffentlichkeitswirksam anzusprechen. Würden sie sich keinen Erfolg erhoffen, würden sie jetzt keinen klaren Gegenpol zum offiziellen Mainstream mit seinen Narrativen anbieten - so denke ich zumindest. Und dieses zunehmende Anzweifeln der bislang gültigen Narrative lässt hoffen.

 

Was wird aus unserem gesellschaftlichen Leben?

 

Die Gastronomie, die mangels Lockdowns nun keine Subventionen mehr erhält, wird ab Herbst auf Ungeimpfte verzichten müssen, die es bleiben wollen und keine Tests finanzieren können oder wollen. Dafür werden sich viele umso mehr privat treffen, Kochen lernen, sich selbst die Haare schneiden, ihre Gärten und Häuser für Gleichgesinnte öffnen. Sich austauschen, verstanden fühlen und Kraft tanken. Was soll an dem Szenario so falsch sein? Not macht kreativ. Die Prohibition kann ein Lied davon singen. Während der Lockdowns haben schon viele Menschen Alternativen gefunden, so zu leben, wie sie wollen, trotz des Verzichts auf das Gewohnte.

 

Und was ist eigentlich, wenn, wie in Israel, 3-fach Geimpfte an der Delta-Variante erkranken? Ein Ende ist so für keinen absehbar, der den Maßgaben der Regierung folgt, egal, ob er sich jetzt sicher fühlt oder nicht. Und ich kann den Wunsch nach Sicherheit gut verstehen. Aber wir haben keine Sicherheit mehr.

 

Wie gespalten sind wir wirklich?

 

Die Spaltung, die den Druck untereinander erhöhen soll bis zum gewünschten Ergebnis, der vollständigen „Durchimpfung“, machen nur Leute mit, die Spaltung wollen. Viele lassen sich vom medialen Strudel der Hetze mitreißen. Andere aber finden gerade in der Krise ihre gute Energie wieder, kommen auf neue Ideen und ermutigen andere, durchzuhalten.

Wir sind an einer Kreuzung angelangt. Ab hier entscheidet jeder, wie es für ihn persönlich weitergeht. Ob er alles mitmacht, was von oben befohlen wird, ob er auswandert, ob er sich impfen lässt, evtl. künftig jedes halbe Jahr. Oder ob er zu seinen Entscheidungen steht.

 

Wer bist du und wer willst du sein? Um die Frage kommt niemand mehr herum. Das ist die Zeitqualität, in der wir leben.

 

Und das ist für mich die Quintessenz aus der Misere: Lassen wir uns nicht herunterziehen!

 

Dass Widerstand kommt, das wussten die, die unser Leben einschränken schon vor ihren neuen Beschlüssen. Dass wir darüber lachen können, so bitter das Lachen auch klingen mag und uns wirklich, ehrlich Gedanken machen, wie wir generell besser leben können, uns nicht aufregen, sondern unser Leben genießen und zusammenhalten - das ist ihre wirkliche Angst.

 

Zusammenhalt ist unsere Stärke.

 

Das Leben ist nicht nur schwarz und weiß, das war es nie.

 

Ich kenne viele, die geimpft sind. So selbstverständlich wie ich ihre Entscheidung akzeptierte, wenn sie mir davon erzählten und so wenig das meinen Blick auf den Menschen verändert oder auch nur beeinflusst hat, so war es umgekehrt. Belehrungen, Appelle, mich impfen zu lassen, vermisse ich im Privaten bis heute.

 

Jeder macht das, was er will.

 

Oh, und wer kam für diese Worte diese Tage wieder übelst in die Schlagzeilen? Unsere Nena, die auf ihrem Konzert auf Rügen damit mit ihrem üblichen Charme die Leute, ihre Fans, süffisant auf die Einhaltung von Abstandsregelungen hinwies.

 

Wie sehr wir uns spalten lassen, das liegt an jedem Einzelnen. Ob wir uns gegeneinander aufhetzen lassen oder uns auf den Menschen konzentrieren, der uns gegenübersteht. Ob wir uns auf Werte wie Demokratie, Meinungs- und Entscheidungsfreiheit konzentrieren oder es begrüßen, wenn diese mit Füßen getreten werden.

 

Demokratische Werte sind die Grundpfeiler jeder intakten Gesellschaft. Wer seine eigene Entscheidung respektiert und voll dahinter steht braucht keinen Widerspruch zu fürchten.

  


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Kommentare: 1
  • #1

    Gunda Nickel (Donnerstag, 19 August 2021 11:38)

    Ich stimme in jedem Punkt mit Ihnen überein. Was sollen wir Deutsche denn schon wieder sein?,Gehorsam Untertanen? Die Spanier schaffen den Inzidenzwert ab, die Italiener zerrissen ihre grünen Pässe, die Franzosen gehen zu Tausenden auf die Straße. Und was machen wir? Gehorchen sinnlosen Anordnungen. Ich nicht.