Ausgrenzung? Nein danke!

Wenn ich derzeit die News lese, wird mir oft ganz schwindelig. Die Hetze und gleichzeitig Zensur, poppig auch „CancelCulture“ genannt, nehmen überhand.

 

Ein prominentes Beispiel ist, wieder einmal, Nena. Die Medien lassen kein gutes Haar an der beliebten Popsängerin. Nachdem sie auf vergangenen Konzerten häufiger durch Kritik an den Coronamaßnahmen aufgefallen war, wurde ihr nun mangelnde Distanz zur „Querdenker-Szene“ vorgeworfen. Besonders die Frankfurter Rundschau legt sich gerade ins Zeug, sie in jeder Hinsicht zur Persona non grata herunterzuschreiben.

 

Vor kurzem feierte Nena, so die FR „zusammen mit zahlreichen Verschwörungsideolog:innen, einigen „Reichsbürger:innen“ und Anhänger:innen der „QAnon“-Bewegung.“

 

Eins merkt man gleich: Korrektes Gendern ist auch bei Diffamierung wichtig - zeigt es doch gleich die richtige Ideologie, während man anderen die falsche vorwirft.

 

Nena selbst hat sich jedoch immer wieder von Ideologien und jeder Form der Ausgrenzung distanziert, wie auch am 16. August auf ihrer Facebookseite.

 

Wie ich ihre Worte lese, ist das weder Hetze, noch Hass noch irgendeine Form der Aggression, sondern ganz weit weg davon. Der Wunsch, jeder möge in der Gesellschaft willkommen sein, wie auch auf ihren Konzerten, ist menschlich.

 

Sobald gegen Andersdenkende gehetzt wird, fehlt mir jede Sympathie, aber hier lese ich den Wunsch nach Harmonie und Versöhnlichkeit – diese Wünsche teile ich. Mit Behauptungen wie „Sie sympathisierte mit Corona-Leugner:innen bei einer eskalierten Demonstration in Kassel“ , im selben Artikel der FR, wird pauschal allen Teilnehmern der damaligen Demo, und Nena gleich mit, unterstellt, sie würden die Existenz des Coronavirus leugnen. Ich kenne keinen, der das tut, aber viele, die Maßnahmen der Regierung kritisieren.

 

Zudem habe ich zur genannten Demo einige Livestreams verfolgt und konnte gerade dort keine Eskalationen erkennen. Hier wird also wieder fleißig geframed, um jede Differenzierung zu vermeiden.

 

Brandgefährlich als Gegenpol zur veröffentlichten Meinung scheint derzeit jeder beliebte Promi, der Zweifel unter den Leuten säen könnte, die sich von Politikern wenig beeindrucken lassen. Die Diffamierung „Andersdenkender“, einer vermeintlichen Minderheit, wurde Usus. Man berichtet nicht neutral, sondern ordnet auch gleich ein, wie das Geschehene zu interpretieren ist - und packt Menschen pauschal in Schubladen.

 

Die Kontaktschuld, mit den Falschen gesehen worden zu sein, ist ebenfalls beliebtes Mittel, um künftig kritische Stimmen zu unterdrücken und somit Menschen auszugrenzen, die nicht als systemtreu gelten. Dass aufgrund ihrer subordinativen Verfehlungen ein weiteres Konzert von Nena abgesagt wurde, wird auch in anderen Mainstream-Medien gefeiert.

 

Ausgrenzung, die vorangeschrieben und dann in die Tat umgesetzt wird, ist schließlich ein Sieg.

 

Nun kennen wir Nena als fröhliche-unbekümmerte, mutige Person, die sich letztendlich nicht viel draus machen wird - so zumindest klingt ihr aktuellster Facebook-Post, in dem sie ankündigt, eine Zeitlang nach Mallorca zu gehen.

 

Eine andere Form der Ausgrenzung schlug umso höhere Wellen in den sozialen Medien.

 

Seit Montag wurden im Europapark Rust im Sinne der 3G – Regelung farbige Bändchen verteilt – weiße für Genesene und Geimpfte, bunte Bänder für die, die nur einen negativen Test vorweisen konnten. Dieser muss nach den neuesten Verordnungen nun auch in Baden-Württemberg alle 24 Stunden erneuert werden. So sah jeder gleich, wer von den anderen Gästen bereits geimpft ist und wer nicht. Der Freizeitpark hat inzwischen auf die Proteste reagiert, sich erklärt und sich für den Eindruck entschuldigt, man wolle Leute an den Pranger stellen; die sei nicht die Absicht gewesen. Ab jetzt werden nur noch gleichfarbige Bändchen verteilt.

 

Ich glaube den Betreibern sofort, dass hier keine böse Absicht der Beweggrund war, private Informationen für alle sichtbar zu machen und somit Menschen auszugrenzen. Viel mehr war es wohl, wie auch erklärt wurde, hastige Hilflosigkeit, schnell und unreflektiert Regeln umzusetzen. Diese Gedankenlosigkeit und Blindheit für das, was man damit auslöst, lässt mich allerdings frappiert zurück. Konnte man die Proteste denn nicht vorher erahnen?

 

Die meisten Stimmen, die ich las, waren entsetzt, manche sagten ihren geplanten Besuch ab und beschrieben Gefühle wie Grusel und Abscheu. Ich kenne den Europapark sehr gut, habe dort als Kind gute Tage verbracht und als Jugendliche mit Freunden auch mal fröhlich die Schule geschwänzt. Die „Piraten in Batavia“, die bunt bestückte Grotte mit kehlig lachenden Piratenfiguren, durch die man mit einem Boot fuhr, war meine Lieblingsattraktion.

 

Was ist passiert?

 

Ich kann nur von mir sprechen; meine Gefühle sind der Grund, warum mir dieser Artikel etwas schwerer fällt als sonst. Eine Dunkelheit hat sich über schöne Erinnerungen gelegt, eine Düsternis, bei dieser selbstverständlichen Stigmatisierung von Menschen, die genau dem folgt, was Politik und Medien eifrig befeuern;

„Geimpfte gegen Ungeimpfte“, nur um Druck aufzubauen. Und das ganze an einem Ort, an dem ich mal glücklich und unbeschwert war. Unbedacht wurde hier eine Spaltung verwirklicht, und obwohl in der Form zurückgenommen, bleibt mir ein bitteres Gefühl.

 

Wie kann man als freier, denkender Mensch in einer Gesellschaft glücklich werden, in der Leute auch noch darüber jubeln, dass sie aufgrund ihres Impfstatus nun zu den „Besseren“ gehören? Die diese Bändchen-Aktion auch noch beklatschen? Davon gab es einige, zumindest bei Twitter.

 

Ich will gar nicht wissen, wie traurig ein Leben sein muss, wenn das alles ist, was man persönlich aufweisen kann, um sich positiv von anderen abzuheben - ein Stempel im Impfpass!

 

Zum Glück sind viele kritische Stimmen auch von jenen zu hören, die sich zwar gegen Covid-19 haben impfen lassen, aber denen Ausgrenzung genauso widerlich ist und die sich klar gegen Impfzwang aussprechen. Das gegeneinander ausspielen fruchtet nur bei den geistig, moralisch und seelisch Ärmsten, weil sich der Appell an niedrigste menschliche Instinkte richtet. Und die können nun mal kein Maßstab sein für eine demokratische Gesellschaft.

 

Alles, was wir gerade erleben, ob wir die Zeitung aufschlagen, die sozialen Medien öffnen, oder in den Freizeitpark fahren und als erstes sichtbar für alle in eine Kategorie eingeordnet werden…erzeugt Spannungsgefühle, Unwohlsein und eine tiefe Unsicherheit. Spaltung erzeugt Stress.

 

Stress macht schwach. Setzen wir uns dem aus, haben die gewonnen, die ihn genau deshalb erzeugen.

 

Teilen und herrschen funktioniert perfekt, wenn alle mitmachen. Ich nicht- ich steige nicht ein in dieses finstere Karussell der Ausgrenzung. Ich vertraue auf mein Bauchgefühl, auf meinen Instinkt, der mir sagt, mit welchen Menschen ich zu tun haben möchte, mit wem ich mich wohlfühle und mit wem nicht. Und so ziemlich das Letzte, was mich dabei interessiert, ist der Impfpass.

 

Oft frage ich mich, was hier schiefläuft. Wieder einmal. In Italien, Frankreich und Griechenland gehen Hunderttausende auf die Straßen, um gegen Impfpflicht und Corona-Maßnahmen zu protestieren. Es kann ja „passieren“, dass Regeln erlassen werden, die den Menschen mehr schaden als nützen. Dass man das als gottgegeben hinnimmt und den Kopf in den Sand steckt, das werde ich nie verstehen. Gerade, weil ich von der französischen Grenze komme, Freunde in den USA habe und mich mit deren Mentalität so viel mehr identifiziere als mit der deutschen.

 

Wer sympathisch ist, das bestimmt der Staat? Ohne mich.

 

Und ich bin froh und dankbar, eine so tolle Community zu haben, die ähnlich empfindet wie ich.

Entziehen wir negativen Kräften unsere Energie und genießen unser Leben, denn es ist nach wie vor schön und lebenswert - egal, was man uns weismachen will.

 

Es gibt ein sehr wahres Sprichwort:

 

„The worst thing you can do to your enemies is to live well“ – in meinen Worten: das Schlimmste, was wir unseren Feinden antun können, ist glücklich sein.

 

Unsere Energie ist das wichtigste, was wir haben. Gute Energie treibt die Franzosen in riesigen Massen auf die Straße. Und wie immer ist es wichtig, für etwas zu kämpfen, statt nur gegenzuhalten.

 

Mein Wunsch ist bescheiden und erscheint mir selbstverständlich: Ich will in einer Gesellschaft leben, in der jeder so sein darf wie er ist. Mit Regeln, die das Beste im Menschen hervorbringen, statt nur das Negative zu befördern.

 

Titelbild: pixabay/ congerdesign


 

 

Ich freue mich, wenn Sie meine Artikel kommentieren und teilen! Und natürlich, wenn Sie meinen Blog abonnieren und meine Arbeit unterstützen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0