Narzissten Teil 1: Politiker, Promis und Influencer

 

Wer kennt sie nicht? Leute, die sich selbst über alles lieben und loben, die keinen Widerspruch zulassen und die sich von jeder anderen Meinung persönlich beleidigt fühlen.

 

Sie begegnen uns überall – auf der Arbeit, im Privatleben, in Liebesbeziehungen. Im Internet fühlen sie sich besonders wohl. Denn aufgrund der verkürzten und eingeschränkten Kommunikation können sie sich hier besonders gut präsentieren und die gewünschten und die -für ihr tatsächlich schwaches Ego- dringend nötigen Reaktionen optimal provozieren.

 

Die Chance, sich von der besten Seite zu zeigen, bietet das Netz - und wir alle haben hier bestimmt schon mal Dinge beschönigt. Niemand würde ein Bild von einem Stapel ungewaschenem Geschirr posten statt eines herzhaft angerichteten Sonntagsbratens. Jeder freut sich über Likes und Retweets und jeder hat, zumindest minimal, für das Profilbild schon mal einen Filter benutzt, und sei es, um sich ins beste Licht zu rücken. Das ist ganz normal und menschlich und noch lange keine Persönlichkeitsstörung. Aber wo ist die Grenze zur krankhaften Sucht, anerkannt und beachtet zu werden? Wo wird die normale Kritik nicht nur zum Dämpfer, sondern bringt das gesamte Selbstbild ins Wanken?

 

Die zwei narzisstischen Grundtypen

 

Der offene Narzisst ist großspurig, schamlos, Angeber und klassischer Bully. Wir alle kennen diese Brusttrommler, wie ich sie nenne. Für manche wirken sie anziehend, denn der Charme der Schamlosen ist ja auch unterhaltsam. Doch nerven sie meist schnell, denn es geht ja immer nur um sie. Interesse am Gegenüber wird geheuchelt, um sich die Schwächen des anderen zu Nutze zu machen. Und um weiterplappern zu können, wie toll man selber ist.

Gefährlicher, weil schwerer zu erkennen, ist der verdeckte Narzisst, darunter sind meiner Erfahrung nach mehr Frauen als unter den "Brusttrommlern". Ich kenne Paradebeispiele jeglichen Geschlechts, jeder sozialen Schicht und Altersgruppe, was beide Sorten angeht. Die Mechanismen sind stets dieselben. Die verdeckten Narzissten verstellen sich nur besser. Sie teilen gerne und oft aus, mit viel Verve und Gehässigkeit, schlüpfen aber schnell geschmeidig in die Opferrolle und werden bei der leisesten Kritik tränenreich melodramatisch. Was haben sie mit den Brusttrommlern gemein?

 

Die Merkmale des Narzissmus sind Kritikunfähigkeit, Größengefühle, Selbstmitleid und Aggression sowie Mangel an Empathie.

 

Der „schüchterne“ Narzisst will genauso Bestätigung, Aufmerksamkeit und Anerkennung um jeden Preis, fordert dies aber nicht laut und polternd ein wie der offen Selbstverliebte.

 

Der verdeckte Narzisst ist leiser, wirkt oft schüchtern bis verletzlich, ist oft sozial engagiert in NGOs, Vereinen und Bewegungen, um sich die lebensnotwendige Bestätigung zu holen. Die Person übernimmt schnell Ideologien um sich darin zu sonnen. Da nichts so sehr gefürchtet wird wie Kritik, flüchten sie sich in ihre "Bubbles".

 

Man braucht im Umgang mit Narzissten feine Antennen um zu erkennen, wann das brüchige Ego, dessen Schwäche immer wieder von Größengefühlen überdeckt wird, jetzt gerade durch ein Wort oder Verhalten scheinbar angegriffen wird. Wer einmal mit einem Narzissten zusammen war, kennt das Wechselbad der Gefühle sehr gut.

Berühmte Filme dazu sind „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ oder „Gaslight“.

 

Gerade passiv-aggressive Narzissten schaffen es, dass man, obwohl man nichts falsch gemacht hat, sich plötzlich schuldig fühlt. 

 

Nie weiß man, wann die stets auf Feinde lauernde Person in ihrem Ego wieder einen blauen Fleck bekommen hat, denn sie projizieren ohne Unterlass. Wir reden z.B.  gerade angeregt mit Freunden, denken uns nichts Böses und bemerken dabei nicht, dass der Narzisst, der daneben steht, dabei nicht mehr wie gewünscht im Fokus der Aufmerksamkeit steht -  und schon ist Ärger vorprogrammiert.

 

Emotionaler Missbrauch findet nicht nur in Liebesbeziehungen statt, sondern auch, wenn wir uns gezwungen fühlen, trotz offen ausgelebter Aggressionen Mitleid mit der Person zu haben. Und das passiert eben auch online, mit Leuten, die wir nur durch ihre teils fanatischen Äußerungen kennen. "Ich hasse Autos" kann als legitim empfunden werden, wenn die "Bubble" aus radikalen Grünen besteht, die Autos als Grundübel der Zeit schlechthin betrachten. Hass, offen ausgedrückt, im kuscheligen virtuellen Zuhause der Bubble ist für geltungsbedürftige Menschen ein Segen.

 

Politiker und Prominente

 

Typisch sind Politiker, die mit dem Duktus „Ich will doch nur Ihr Bestes“ aktuell Kindern, Älteren, sozial Schwachen und der Allgemeinheit massiven Schaden zufügen. Gerade im Zuge der Coronapolitik ist es üblich geworden, sich als Retter zu präsentieren, während man immer neue Beschränkungen und Verbote durchdrückt. Wenn man Grundrechte nimmt und als Privilegien verkauft. Dabei sind Merkel und Co doch immer Opfer des Unwillens der Bevölkerung. Sie meinen es schließlich nur gut! Aber wehe, jemand ist gegen sie. Dann greift die Medienhetze. Dabei ist man immer "Opfer der eigenen Gewalt" - man meint es gut und Leute protestieren? Unfassbar! Ich weiß nicht, in wie weit sie sich selbst glauben. Machthunger und Profitgier verschwinden jedenfalls schnell unter der Tarnkappe des guten Willens.

 

In der Aura der Macht sonnen sich viele ebenso narzisstische, aber machtlose Mitläufer.

 

Ein Merkmal der Selbstverliebten ist, sich über wichtige Kontakte zu definieren. Menschen mit Status und Geld sind ihr beliebter Freundeskreis, ganz nach dem Motto "Mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine Frau". In dieser Reihenfolge. Das erfolgreiche Umfeld beruhigt sie, denn wenn sie selbst gerade nicht glänzen können, sonnen sie sich im Glanz anderer.

 

Jeder, der schnell bereit ist, jeden kritischen Menschen als „Coronaleugner“, „Nazi“ oder „Querdenker“ zu beschimpfen, fühlt die Macht der öffentlichen Medien hinter sich. Die Narzissten unter den Mitläufern zeigen sich durch massive Attacken gegen Andersdenkende, gerade anonym im Internet - der Applaus, den sie sich davon erhoffen, ist ihre Nahrung. Mangels eigener Energie ziehen sie diese durch Zustimmung der vermeintlichen Mehrheit.

 

Ein Beispiel für die geschilderten Verhaltensweisen in den Medien ist Jan Böhmermann.

 

Hier wird nicht mehr brav im Mainstream geschwommen, nein, hier zeigt sich blanker Größenwahn. Andersdenkenden trotz ausgewiesener Qualifikation den Mund verbieten zu wollen, wie in der Sendung bei Lanz, dazu gehört schon ein gehöriger Realitätsverlust. Seit Jahren führt der unlustige GEZ-Komiker wohl lange Blocklisten im Internet, um ja in der eigenen Bubble zu bleiben, wo er unter Applaus massiv austeilen und dann in Jammerei verfallen kann und getröstet wird, wenn ihn doch einmal, trotz "Firewall", Kritik trifft.

 

„Wunden lecken“ nachdem man jemanden beschimpft und diffamiert hat? Urtypisch!

 

Nein, ich bin keine Psychologin und behaupte ausdrücklich nicht, Böhmermann sei  Narzisst. Das wäre vermessen, das sollen Fachleute diagnostizieren. Die ignorante Hybris jedoch, die sich darin äußert, er könne beurteilen, mit welchem Virologen geredet werden darf und mit welchem nicht, ist aber bezeichnend: er lebt in seiner Blase, wo ganz klar ist, dass man Gegnern das Wort verbieten muss. Und wo er für jede noch so billige Hetzerei Zuspruch kriegt.

 

Er versteht sicher nicht mal selbst, warum seine Haltung unverschämt und vermessen ist. Die Fassungslosigkeit von Lanz, als dieser ihm erklärte, dass qualifizierte Experten wie Streeck durchaus angehört werden sollen und dürfen, erntete nur Böhmis leeren Blick. Hat er doch seine ganze Karriere drauf aufgebaut, seinen Auftraggebern nach dem Mund zu reden.

Dafür bezieht er, auch auf Kosten jener, die er gerne diffamiert, sein -wohl hohes- Gehalt.

 

So ist also nicht nur jede Kritik an seiner Person, sondern auch am System, von dem er profitiert, für ihn wohl gefühlt existenzbedrohlich. Kritik an der Reputation, die die Stütze seines kleinen Egos ausmacht, um so mehr. Und diese Anerkennung hätte er nicht, wäre er nicht über Jahre medial gezielt gepusht und hochgejubelt worden. Erfolg aus eigener Kraft durch seine Persönlichkeit? Wäre nicht passiert. Ohne erkennbares Talent, Witz und Humor, als nützlicher Fanatiker spielt er dennoch seine Rolle. Und das trotz der treffenden Beurteilung eines echten Entertainers wie Harald Schmidt, Böhmermann würde höchstens zur „Krawallschachtel“ taugen - dafür gab es dann doch beachtlichen Ruhm, denn auch Krawallschachteln erfüllen ihren Job.

 

Mut ist Mangelware, denn dazu bräuchte es echtes Selbstwertgefühl und das fehlt Narzissten.

 

Darum meiden sie auch die Rolle der Opposition.  Auch dort mag es laute selbstverliebte Demagogen geben - die aber täglich heftigste Kritik bis hin zu blankem Hass vom Mainstream ernten. Die Stärke, damit dauerhaft umzugehen, haben Narzissten aber normalerweise nicht. Unliebsame Meinungen vertreten daher nur Personen, die auch mal auf Applaus verzichten können zugunsten einer Sache und Werten, von denen sie selbst tatsächlich überzeugt sind. Narzissten hingegen flüchten schnell von der Bühne, wenn die ersten faulen Eier fliegen. Sie behaupten alltäglich von sich, Gutes zu tun, sonnen und baden sich in moralischer Unantastbarkeit, die ihnen von den öffentlichen Medien und der Politik bescheinigt werden. Haben aber keinen Begriff von echter Moral. 

 

Der Narzisst hat immer Recht. Und niemals Schuld. Die tragen nur die anderen.

 

Gegner zu zensieren und damit mundtot zu machen ist daher ein natürlicher Drang.

 

Während sich der Brusttrommler über tolle Kontakte mit Berühmtheiten etc., definiert und gern und oft damit angibt, wen er alles kennt, sucht sich der verdeckte Narzisst gern eine Sache, eine Gruppe, mit der er sich dann voll und ganz identifiziert. In seiner Blase kann er sicher sein, fast nur Applaus zu ernten und Kritik zu entgehen, die sein ganzes Weltbild erschüttern würde. 

 

Lesen Sie im zweiten Teil, warum Narzissten oft zum Extremismus neigen. 


 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Leser (Dienstag, 07 September 2021 22:02)

    Narzissmus ist lebensnotwendig. Die Dosis bestimmt das Gift.
    Ein Kleinkind würde beispielsweise nicht überleben, wenn es die Außenwelt nicht verinnerlichen würde, da es nicht für sich selbst sorgen kann. Deshalb versucht es mit allen Mitteln die Außenwelt zu beeinflussen. Die Entkopplung ist dann die Lebensaufgabe.
    Ein Beispiel aus dem Alltag eines Erwachsenen: Autofahren - die Abmessungen des Autos müssen unbewusst verinnerlicht werden, um beim Fahren nicht anzuecken. Dabei wird ebenfalls die Außenwelt verinnerlicht - zum Maßstab eigenen Handelns.

  • #2

    Michi-San (Mittwoch, 08 September 2021 13:15)

    Ich habe in meinem beruflichen Umfeld mit Narzissten arbeiten müssen. Meine bisher negativste Erfahrung.