Narzissten Teil 2 - Die Extremisten

 

Für Narzissten gibt es nur eine Wahrheit: die eigene. Das haben sie mit allen radikalen Gruppen gemein. Da sie, um sich einigermaßen wohlzufühlen, regelmäßig Bestätigung brauchen, müssen sie viel Kraft aufwenden, um diese zu bekommen.

 

Das gelingt natürlich nicht immer. Von einer Gruppe Gleichgesinnter, die ebenso rücksichtslos und mit Scheuklappen ihre Ziele verfolgt wie der einzelne Narzisst, fühlen sie sich in ihrer Suche nach Zuspruch gestützt. Dort müssen sie oft nur mitlaufen, die Parolen der anderen wiedergeben und bekommen so den dringend benötigten Zuspruch.

 

Radikale Gruppen ziehen Narzissten magisch an.

 

Die Adaption von Größengefühlen innerhalb einer Gruppe stärkt das eigene Ego und lässt es wachsen. Gerade bei verdeckten Narzissten beobachte ich das oft: Es wird eine Sache ausgesucht, die viel Anerkennung findet, meist im Mainstream, eben dort wo die größtmögliche Zustimmung zu erwarten ist. „Ich tue das alles doch nur für euch, für eine bessere Welt, für das Gute!“ ist eine Aussage, die häufig hinter allem steht, was sie tun, auch, wenn sie rücksichtslos vorgehen. Was "das Gute" ist, das sagt ihm oder ihr die Gruppe. Je nachdem, wie weit sie sich in ihre Idee, die einzig wahre Wahrheit zu besitzen, hineinsteigern, kann dies den Blick auf die Realität schnell verschleiern. Oft kommt es zu verbaler Gewalt, manchmal auch zu körperlicher.

 

Aktuelles Beispiel sind die heutigen Reaktionen auf den Auftakt des Strafprozesses gegen Lina E., auch heldenhaft betitelt als „rote Rächerin“, und gegen weitere Mitglieder aus dem linksextremen Milieu, die aufgrund von Gewalttaten in mehreren Fällen vor Gericht stehen. Diese Gewalt richtete sich gegen Rechtsradikale und Leute, die die Täter für solche hielten.

 

Laut der BILD wurden die Angeklagten im Gerichtssaal von Fans bejubelt. Auf Twitter brach bei gleichgesinnten Extremisten ein fassungsloser Sturm der Empörung los. Worüber? Darüber, dass auch „linke Gewalt“ trotz mühevollem jahrelangen Framings nicht mehr totgeschwiegen wird; darüber, dass Gewalttäter vor Gericht stehen, die doch alles nur aus gutem Willen taten, nämlich als "Zeichen gegen Rechts“.

 

Unter dem Hashtag #FreeLina ist zu lesen, wie die junge Frau rückhaltlos entschuldigt und verteidigt wird.

Gegen die Vorwürfe, an Angriffen gegen Mitglieder der rechten Szene beteiligt gewesen zu sein, wobei auch von ihrer Rolle als „Rädelsführerin“ die Rede ist. Für viele Linksradikale ist bereits klar: ‚alles Lügen, böswilliges Framing, Nazis raus, Rechte dürfen alles aber wir dürfen gar nichts, wir sind immer die armen Opfer, die anderen sind Schuld, wir sind die Guten‘... usw. Der Grundtenor ist klar.

 

Das mag von mir überspitzt sein, aber soweit mein persönlicher Eindruck. Die Reaktionen sind Paradebeispiel für den narzisstischen Größenwahn von Extremisten: "Wir haben immer recht und dürfen alles." Dass das heute aus dem linken Milieu nicht von ungefähr kommt, ist, denke ich, klar.

 

Bemerkenswert, wie sehr die heutigen Ereignisse zu diesem Artikel passen, den ich gerade ohnehin schreibe, während ich die News im Internet verfolge.

 

Falls es stimmt, dass die Opfer aus der rechten Szene stammen, rechtfertigt allein diese Tatsache in den Augen vieler also körperliche Gewalt. Der gefährliche Extremismus bei den Anhängern der Angeklagten erschreckt mich fast noch mehr als die Gewalttaten selbst. Macht es mir doch meine eigenen Thesen gerade plakativ sichtbar.

 

Es geht Narzissten nicht um die Sache, egal wie sehr sie das betonen.

 

Sie drehen sich stets nur um sich selbst.

 

Wofür sie sich einsetzen ist austauschbar, die Motivation dahinter bleibt dieselbe: Machtgewinn. Das zieht sie hin zu Ideologen, deren Motto ist: „Ich weiß, dass du weißt, dass ich Unrecht habe aber ich will dich zwingen, so zu tun, als hätte ich recht.“

 

In einer extremistischen Clique muss man zudem anderen nicht erklären, warum man selbst so tickt - die verstehen das.

 

Wie jemand, der nie Geld hat und kindlich-naiv davon träumt, wie Onkel Dagobert einmal im Goldhaufen zu baden, träumt der Narzisst insgeheim von etwas, das für ihn unerreichbar ist: Vom inneren Gefühls-Reichtum, den er bei anderen beobachtet.

 

Ersatz dafür ist oft, sich einer Gruppe anzuschließen, die Einfluss besitzt und genauso schwarzweiß denkt wie die narzisstische Person selbst. Die eigenen Größengefühle werden hier auf die Gruppe übertragen- sie verschmelzen mit der radikalen Bewegung, von der sie sich fortan tragen lassen.

 

Radikale Ideologien verbieten nicht nur freiheitliches Denken und kommen der eigenen Haltung so entgegen, sie belohnen auch das Diffamieren der „Feinde“, die der Narzisst ohnehin schon hinter jedem Baum wittert. Damit projiziert er seine eigene Wut - wenn ich andere hassen muss, weil sie in meinen Augen besser sind, mehr können, mehr besitzen, mehr beachtet werden, während ich vom Leben stets benachteiligt bin? Dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die wohlwollend sind.

 

Meine innere Wut muss ich aber dringend abwenden, projiziere sie ins Außen und bekämpfe sie dort, wo sie ein -fremdes- Gesicht bekommt. Und plötzlich sehen dies Gesicht auch meine Mitstreiter, und erklären meine so externalisierten Wutgefühle ebenfalls zu ihrem Feind. Das tut gut: Endlich wird mir geholfen, denn ich kämpfe nicht mehr allein gegen innere Dämonen.

 

Dem Narzissten, in dessen Rolle ich eben versuchte zu schlüpfen, ist jedoch nicht bewusst, dass seine Feindbilder Projektion sind - er hält sie für real. Wenn er doch nur an sich selbst denkt, müssen andere das doch auch tun? Dabei hat jeder seine eigenen Sorgen und ein eigenes Leben.

 

Macht ersehnt sich der Narzisst, da er in sich selbst keine besitzt. Sonst hätte er längst gelernt, diese in sich zu erkennen und auch tatsächlich für Gutes einzusetzen. Wird ihm von einer extremistischen Gruppierung jedoch Macht verliehen, wird er schnell zum Demagogen. Innere Stärke und Integrität fehlen dann immer noch, ebenso wie Empathie. Was fatal ist.

 

Extremismus macht zudem die Welt so einfach: Ich bin gut, die anderen sind böse.

 

Das wird nun ganz klar, denn es wird mir ja von meiner "Blase" bestätigt. Drohende quälende Selbstzweifel werden abgewendet, denn jetzt geht es um die „gute Sache“.

 

Der Sog dieser Einfachheit ist nicht nur für Narzissten verführerisch, aber gerade sie nehmen noch mehr mit als die wohlige Beruhigung, wenn ihnen die Welt simpel erklärt wird: sie können keine Facetten sehen, da alles von ihrem inneren Kampf mit sich selbst überschattet wird.

 

Wir alle haben, und das ist der Dämpfer und auch Denkanstoß, natürlich alle auch narzisstische Anteile in uns, sehen die Welt auch mal schwarzweiß, sind mitunter überempfindlich gegenüber Kritik, werden überheblich, sind mal übertrieben eitel oder teilen wütend ungewollt viel aus. Der Unterschied ist: wir können dies generell an uns erkennen und reflektieren, ohne dass gleich unser gesamtes Selbstbild erschüttert wird. Für Narzissten ist dies ungleich schwerer.

 

Und natürlich steht hinter dem Verhalten oft auch eine schwere persönliche Geschichte, z.B. Ablehnung durch die Eltern. Das entschuldigt nichts, aber es ist mir wichtig in der Betrachtung, niemanden zu verteufeln oder grundsätzlich abzuwerten. Sonst sind wir selbst nämlich in genau der Falle, die ich hier kritisiere: 

 

"Wir die Guten und die anderen die Bösen". Sowas gibt es nicht.

 

Aber es ist nützlich zu erkennen, welche Verhaltensweisen Menschen prägen, welche Mechanismen dahinter stehen. Um andere zu verstehen muss man sich selbst kennen mit allen guten und weniger guten Seiten. Wie schrieb ein Leser treffend unter meinen ersten Teil zum Thema Narzissmus? "Die Dosis macht das Gift". Das kann ich unterschreiben.

 

Lesen Sie im dritten Teil – Narzissten online und in der Opferrolle

 


 

 

Ich freue mich, wenn Sie meine Artikel kommentieren und teilen! Und natürlich, wenn Sie meinen Blog abonnieren und meine Arbeit unterstützen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0