Narzissten Teil 3 -Bullies und Heulbojen im Netz

 

 

Im Internet fühlen sich Narzissten besonders wohl. Dort können sie das Idealbild von sich präsentieren. Die einen treten offen angeberisch auf, nerven alle mit fast minütlichen Tweets und Postings, die vor allem andere beschimpfen, und blockieren beim kleinsten Widerspruch.

 

Die Heulbojen sind die passiv-aggressiven Narzissten. Leute, die zur Dramaqueen neigen. Und nein, das sind mitnichten nur Frauen. Erpresserische, hysterische Heulkrämpfe, die mit echter Trauer nichts gemeinsam haben, und die nur Reaktionen provozieren wollen, kenne ich von beiden Geschlechtern. Der Blick ist dabei oft erschreckend starr und aggressiv.

 

Tränen fließen im Sinne von

 

„Wenn du mir jetzt nicht sofort recht gibst, dann bist du mein Feind!“

 

Mit Behauptungen wie „Ich bin arm, es geht mir schlecht, mir wurde Unrecht getan“, kriegen sie erstmal, ungeprüft, alle empathischen Menschen. Oft sind sie sogar ehrlich und schreiben dazu: „Ich habe gerade jemanden verletzt und leide so sehr.“

 

Man wird jedoch niemals lesen: “Der andere leidet, weil ich ihn verletzt habe“. Man liest allerhöchstens: „Ich habe einen Fehler gemacht und es geht mir schlecht“.

Das passiert, als höchste Form des Schuldeingeständnisses, aber nur nach ganz massiver Kritik. Und auch dann wird es nicht so empfunden, sondern ist ein bloßes Lippenbekenntnis, um wieder seine Ruhe zu haben.

 

Die gute Sache heiligt den Zweck 

 

Gefühle der Opfer von verbaler oder physischer Gewalt, seien es Gruppen oder Einzelpersonen, können nicht wahrgenommen werden, denn es fehlt eben das, was andere haben: die Empathie.

Narzissten haben kein Empfinden dafür, was sie anderen antun, aber nach massiver Kritik, die sie trotz allem Stoizismus und aller Übung nicht mehr ignorieren können, drücken sie auf die Tränendüse. Und oft werden sie getragen von ihrer Ideologie.

 

Dann weint das Internet mit, denn Leute fühlen hier nur das echte Selbstmitleid des Täters, der scheinbar eine gute Sache vertritt, nicht das wirklich empfundene Leid der Opfer.

 

Sie geben sich eine Aura von Überlegenheit, wirken oft unabhängig und verwegen. Aber ohne Beachtung von außen sind sie zutiefst verunsichert.

 

Das aufgeblasene Ego zerplatzt wie ein Ballon, in den man mit einer Nadel sticht, sobald die leiseste Kritik erklingt.

Und dann knallt’s: Der offene Narzisst wird rückhaltlos beschimpfen, bekämpfen und bedrohen. Der verdeckte Narzisst wird passiv-aggressiv reagieren, seine „Blase“ um Hilfe rufen – oft prangern sie ihre Kritiker dann offen an, um einen Shitstorm gegen diese hervorzurufen.

 

„Coronaleugner, Klimaleugner, Nazi.“ Modische Diffamierungsbegriffe, die v.a. Empörung auslösen sollen, kommen ihnen entgegen als Rettung bei Kritik. In der DDR war es der „Klassenfeind“, im Mittelalter die Hexen. Oft geben Extremisten als Legitimation vor, Randgruppen zu schützen, wobei diese sie nur solange interessieren, wie sie sich, der dogmatischen Ideologie entsprechend, ausgegrenzt und ausgestoßen fühlen.

 

Selbstbewusste Frauen, die sich nicht von Männern unterdrückt fühlen, Menschen nicht-deutschen Ursprungs, die sich im Land wohlfühlen und bestens integriert sind, hier ihre Wahlheimat sehen, statt sich diskriminiert zu fühlen, das alles passt nicht ins Geschäftsmodell der instrumentalisierten Opferrolle.

 

Menschen sind egal, sobald sie den Zielen der jeweiligen Ideologie nicht mehr nützen.

 

Dafür sind eingebildete Shitstorms umso beliebter.

Es kann diffamiert werden, was das Zeug hält: Bei der leisesten Kritik beginnt die Opfer-Show: „Ich habe es doch nur gut gemeint, es ist doch für eine gute Sache, immer werde ich angefeindet“. Gerade Protagonisten des Mainstreams machen sich dies zunutze.

 

Warum das bei Narzissten meist funktioniert? Sie glauben sich ihr Drama selbst!

 

Mit eigenem Fehlverhalten konfrontiert, machen sie vielleicht Lippenbekenntnisse um Konsequenzen und weiterer Kritik zu entgehen, brodeln aber innerlich vor Wut. Aus berechtigter Kritik wird dann ein „Hassansturm, ein übler Shitstorm“ und damit man ihnen das auch glaubt, sind die Schuldigen stets Feinde des Systems, welches gerade den größtmöglichen Zuspruch hat. Ob die politische Richtung rechts oder links oder sonst wie ist, spielt keine Rolle:

 

Narzissten fliegen wie die Motten ins Licht.

 

Sie sind daher auch die berühmten Wendehälse. Ich habe mir ein paar Mal die Mühe gemacht und sogenannte Shitstorms versucht, nachzuvollziehen. Gefunden habe ich jedes Mal wenig bis keine Beleidigungen, sondern sachliche Kritik an hasserfüllten, extremistischen Tweets.

Die Menge glaubt aber unbesehen, so bald jemand schreibt: "Ich werde diskriminiert", ob es stimmt oder nicht. Um so schlimmer für echte Opfer, deren Leid damit relativiert wird.

 

In unserer Zeit sind die Gegner dann natürlich die „bösen Rechten“, „Querdenker“, etc., Diffuse Begriffe - Hauptsache, man erntet dafür maximale Zustimmung der Masse.

 

Manche haben ein ganzes Opferabo abgeschlossen, gerade bei Twitter kennt man sie: Ein jammernder Unterton zwischen teils erschreckender Hetze, gespickt mit Hinweisen auf das eigene eingebildete Unterdrücktsein.

 

Narzisstische Persönlichkeiten sind vollständig abhängig von anderen.

 

Sie brauchen am laufenden Band Bestätigung und Zustimmung, die sie sich aus Mangel an Selbstliebe und Selbstbewusstsein nicht selbst geben können.

Freiheitliche Menschen, die unabhängig sind von Applaus, und in der Lage sind zu lieben, tiefer zu fühlen, auch mal über sich selbst zu lachen, sind ihnen darum der schlimmste Graus. Denn die müssen nicht täglich um Bestätigung und Anerkennung kämpfen. Hier treten, wie so oft bei dieser Störung, Neid und Missgunst auf.

 

Extremisten wenden sich seltener gegen Extremisten der anderen Richtung, als gegen Liberale.

 

Wie oft wurde ich wegen des Ausdrucks "Freigeist" in meiner Bio beschimpft? Jedes mal wunderte ich mich. 

 

Die echten Opfer? Menschen mit Mitgefühl

 

Gerade empathische Menschen, die sich mit diesen Mechanismen nicht auskennen, entschuldigen schnell schädliches, aggressives Verhalten, wenn kurz darauf tränenerstickt die eigene schwere Kindheit, das harte Los und alles, was es braucht, um Mitleid zu erregen, ins Feld geführt wird.

 

Das klingt dann in etwa so: „Ach, ich Arme, ich musste doch so aggressiv sein…“ „Ja, aber die bösen anderen“… „Ich gehöre zu einer benachteiligten Gruppe und habe deshalb so viele Aggressionen.“

 

Reaktionen sind, stellt man sich glaubwürdig genug als Opfer der „alten weißen Männer“ dar, oft mitfühlende Gedanken wie „Ja aber sie ist doch so verletzlich, sie meint es doch nur gut, sie steht doch für eine gute Sache“. Der Narzisstin, nehmen wir mal an, es geht um eine Frau, strömt ein Reichtum an Emotionen entgegen und somit doppelte Energie: Rivalen und Widersacher werden mit großem Tamtam bekämpft – der aggressive Anteil findet ein Ventil, sie erntet die maximale Aufmerksamkeit und damit diese nicht verdientermaßen negativ ausfällt, zieht sie die Opferkarte.

 

Das funktioniert bei denen, die gutwillig sind und nicht wissen, womit sie es zu tun haben.

 

Auch hier hilft es, sich hinter den radikalen Zielen einer Gruppe verstecken zu können. Dann erspart man sich an schlechteren Tagen individuelle Dramen und es reicht, die „gute Sache“ wie einen Schild vor sich zu halten.

Die Spaltung zwischen Eigenwahrnehmung: „Ich bin ein guter Mensch und benachteiligt“ und tatsächlich schädigendem Verhalten gegenüber anderen gelingt nur ab einem gewissen Grad der Störung.

 

Ehrlichkeit anderen gegenüber haben nur jene, die auch sich selbst gegenüber ehrlich sein können.

 

Was tun, wenn man auf Narzissten trifft?

 

Sich schützen kann man zuerst und am allerbesten, indem man sie erkennt. Und Abstand hält. Es bringt nichts, sich in Diskussionen verstricken zu lassen, denn der Narzisst hat von Anfang an uneingeschränkt Recht. Das wissen wir Ahnungslosen, denen es um Differenzierung und Meinungsvielfalt geht, natürlich nicht. Dem Narzissten jedoch ist das klar. Und da wird niemand was dran ändern.

 

Die menschliche Unzulänglichkeit, derer die meisten von uns sich bewusst sind, ist für Narzissten unerträglich. Wir können uns auch mal verzeihen können, können auf andere zugehen, uns korrigieren. Mal besser, mal schlechter. Aber wir versuchen es zumindest.

 

Was Narzissten mehr fürchten, als kritisiert zu werden, ist erkannt zu werden als das, was sie sind. Denn niemand wird ihnen dann mehr die Aufmerksamkeit geben, die sie sich wünschen. Und ignoriert werden ist für sie das Schlimmste. Auch negative Energie ist Energie, die sie selbst nicht besitzen.  Umdrehen und – vor allem innerlich- weggehen ist daher das Beste, was wir tun können.

 


 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Aleksander Pavkovič (Samstag, 11 September 2021 15:15)

    Volle Zustimmung! Es fällt oft so schwer, solche Leute zu ignorieren, doch es dient dem eigenen und allgemeinen Frieden. Nur eine kleine Korrektur erlaube ich mir vorzuschlagen: Die Hexen als typische Feinde waren es nur sehr am Rande im Mittelalter (sondern eher in der frühen Neuzeit); zum Einstieg sei diese Übersicht empfohlen: https://chrismon.evangelisch.de/hexen