Cancel Culture der Ideologen - Frankfurter Buchmesse

In diesen Tagen findet die Frankfurter Buchmesse statt. In den Medien und auf Social-Media-Kanälen entbrannte ein heftiger Streit- um die Frage, wer dort ausstellen darf und wer nicht.

 

Anlass war v.a., dass eine linke Autorin anprangerte, dass dort „rechte Verlage“ vertreten sind. Jasmina Kuhnke, die mir als „Quattromilf“ nur durch primitivste Hassrede im Internet bekannt ist (Screenshots erspare ich ihnen) und dort eingeladen war, sagte ab, denn sie wollte der Frankfurter Buchmesse wohl diktieren, wen diese einladen darf und wen nicht. Wegen der Präsenz „rechter Verleger“ wollte sie trotz Einladung nicht mehr teilnehmen. Mainstream-Medien griffen das Thema dankbar auf, da es hier ja gegen „Rechte“ geht, ein Begriff, den Politik und Medien seit längerem nutzen, um Regierungskritiker zu diffamieren.

 

„Eine Linke will nicht neben Rechten auf der Messe stehen“, so grob zusammengefasst der Tenor größerer Zeitungen. Sie fühle sich dort, trotz Security und allen Sicherheitsmaßnahmen, bedroht. Gefühle sind subjektiv, das kann ich nicht beurteilen oder bewerten. Was aber passierte?

 

Prompt war die Opferrolle erfüllt.

 

Eine Rolle, die viele Kuhnke als Geschäftsmodell zuschreiben, Leute, die sie mehr beobachten, als ich das tue. Denn ich halte mich von Extremisten fern. Wäre ich unseriöse PR-Beraterin, die ich nicht bin, aber als Marketingfrau die öffentlichkeitswirksamen Mechanismen kenne, hätte ich ihr genau dazu geraten:

 

„Geh‘ nicht hin, sag‘ ab und jammere laut, dass du dich so von Rechten abgrenzen willst, das gibt ungeprüft immer Applaus- und es kommt garantiert in die Medien. Wenn du einfach nur vorliest, wie alle anderen dort, kommt es zu keinem Rummel. Und dein Buch würde nie die Publicity erfahren, die du ja willst“.

 

So meine persönlichen Gedanken. Ich glaube aber, hier wurde intuitiv so entschieden, und nicht, dass eine lange clevere Planung dahintersteckt. Aber wie gesagt, spekulieren kann man viel. Im Kern ging es um den Wunsch, Andersdenkende auszuschließen und von den Veranstaltern der Buchmesse zu verlangen, diesen Ausschluss zu vollziehen. Die Frau ist mir egal, hier geht es aber um einen typischen Mechanismus, der von vielen Ideologen genutzt wird. Daher greife ich ihn auf.

 

Als die Veranstalter sich nicht fügten, ging eine tagelange, verbissene Hetze los.

Über einen „rechten“ Verlag, „Jungeuropa“, der im Zentrum der Kritik steht, kann man durchaus geteilter Meinung sein. Und man kann ihn auch rundweg mit seinen Schriften ablehnen - auch die Veranstalter der Buchmesse grenzten sich von deren Inhalten ab. Vielleicht grenzen sie sich aber auch von Kuhnkes Buch ab, und luden sie dennoch ein. Aber sie respektieren die Meinungsfreiheit und schwingen sich nicht zur moralischen Instanz und zu Meinungs-Kontrolleuren auf. Auch ich halte Menschen für mündig genug, sich ihr eigenes Urteil zu bilden. Und dazu gehört ein breites Spektrum an Meinungen.

 

Das Toxische: „Rechts“ wird mittlerweile als Schimpfwort und Verallgemeinerung genommen, einen Unterschied zu rechtsradikal gibt es faktisch nicht mehr.

 

Damit liegt Kuhnke mit ihrem Aufschrei voll im Trend- wie soll man regierungskritische Stimmen denn ausschalten, wenn nicht mit einschlägigen Bezeichnungen, die jeden abschrecken sollen, der nicht der veröffentlichten Meinung zustimmt?

Die Buchmesse hat in meinen Augen richtig reagiert. Sie bietet, laut offiziellen Statement zu den Vorwürfen, jedem eine Plattform, der mit seinen Schriften nicht gegen geltendes Gesetz verstößt. Ich hätte weder als Besucherin noch als Veranstalterin den Anspruch, darüber zu entscheiden, wer schreiben, veröffentlichen und aus seinem Werk vorlesen darf. Ich hätte einer Autorin, die ich vor allem durch hasserfüllte Hetze im Internet kenne, ebenso wenig den Auftritt versagt wie Verlagen, die mir zu weit rechts liegen. Ich habe nicht den Anspruch, dass meine Meinung allgemeingültig ist. Und das hielt ich bis vor ein paar Jahren noch für selbstverständlich. Leider ist es das nicht mehr.

 

Heute nimmt eine Woke-Bubble für sich in Anspruch, die moralische Deutungshoheit zu besitzen, und alle diffamieren zu dürfen, die nicht hundertprozentig zustimmen.

 

Damit liegen sie ganz im Trend der öffentlichen Medien. Was einmal links war, sogenannte Altlinke, die aus Prinzip die Mächtigen hinterfragten, ist heute „woke“.

 

Und damit im Zentrum des Mainstreams angekommen. Den werden sie nicht hinterfragen, weil sie immanenter Teil davon sind. Das Medienecho richtet sich in einem Zug gegen Leute, die Coronamaßnahmen kritisieren, oder gegen Konservative, die an Werten festhalten, gegen Liberale, die ein gutes, selbst bestimmtes Leben führen wollen, wo das zählt, was man sich erarbeitet hat. Die nicht enteignen, sondern kreieren und etwas erschaffen wollen.

 

Spannend: die linksextremen Accounts bei Twitter legen sich fast nie mit Rechtsradikalen an. Nur mit Konservativen und Liberalen.

 

Extremisten verstehen sich! Auch wenn sie sich verabscheuen.

 

Beide wollen andere Meinungen unterdrücken, auch wenn sie völlig konträre Ziele haben. Was beiden wirklich ein Graus ist, sind Leute, die selbständig und freiheitlich denken und leben. Ich gehöre zu Letzteren und kenne Feindschaft von Links- wie von Rechtsaußen. Ich bin beiden ein Dorn im Auge, was mir sagt, dass ich etwas richtigmache. Für mich persönlich, nach meinen Maßstäben - und das ist meine Prämisse.

 

Vielfalt und Diversität sind Schlagworte, die die Woke-Szene für sich in Anspruch nimmt. Aber wohl nur, weil es so schön klingt. Denn damit wollen die hippen Moralpriester tatsächlich alle ausgrenzen, die nicht so denken wie sie. Wenn, wie bei der neuen Sprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, von einer „ekligen Mehrheitsgesellschaft“ die Rede ist, dann klatschen sie. Unbedarft, eingeschossen auf ein Feindbild, völlig unkritisch.

 

Wie kann man für sich selbst Akzeptanz fordern, wenn man Rassismus fördert, der überhaupt erst statuiert, dass man Menschen nach ihrer Hautfarbe beurteilen soll.

 

Egal, welche das ist? Kein normaler, halbwegs anständiger Mensch achtet zuerst auf die Herkunft, wenn er jemanden kennenlernt. Die Frage „woher kommst du?“ wird von Grünen schon als Rassismus gewertet, statt als ehrliches Interesse an einer Person. Hier ein toller Tweet zu dem Thema, der eigentlich alles darüber aussagt, wie gesunde zwischenmenschliche Begegnungen aussehen können. 

Wer Menschen nach ihrer Hautfarbe beurteilt, ist Rassist. Das gilt für Rechtsradikale wie für "Woke"-Leute, die von einer "ekligen weißen Mehrheitsgesellschaft" reden. Die "Diversität" sagen und meinen: "Denkt so wie wir, oder ihr seid böse!". Mich macht das wütend, denn diesen Leuten geht es nur um eins: Macht durch recht haben. Es ist ihnen letztlich egal, was sie für Dummheiten und Vorurteile ins Netz „rausblöken“, solange ihnen die eigene Bubble applaudiert. Woher der Wunsch nach Applaus und unbedingter Zustimmung kommt, habe ich in meinen Artikeln zum Narzissmus analysiert.

 

Wir leben in einer Zeit, in der schlichte Ansichten von Politik und Medien gefördert und belohnt werden, wo eigene, kritische Gedanken per se als gefährlich und böse gelten, wo die sozialen Medien löschen und zensieren was das Zeug hält, damit ja keine konträr denkenden Wissenschaftler und Politiker auf alternativen Kanälen zu Wort kommen.

 

Viele bemerken jedoch den Widerspruch zu propagierter Offenheit und zur praktizierten Ausgrenzung. Mich regt Spaltung auf, und das ist unangenehm - aber doch besser, als Vorurteile als gegeben und normal hinzunehmen. Wenn Grüne wieder Leute beschimpfen, die sich z.B. als Frauen, Homosexuelle oder Nicht-Deutsche nicht brav in die zugedachte Opferrolle begeben, entlarven sie sich selbst.

 

Selbstbewusste Frauen fühlen sich Männern nicht unterlegen. Menschen, die eine ausländische Herkunft haben, fühlen sich hier oft sehr wohl und sind bestens integriert. Homosexuelle wollen meist in Ruhe lieben, wen und wie sie wollen. Und kein politisches Aushängeschild sein. Keiner braucht die „grünen Khmer“, wie sie oft, nicht wirklich scherzhaft, genannt werden – Leute, die scheinbar um das Wohl und den Schutz von Minderheiten bemüht sind. Die benutzen sie nur, solange sie ihre Macht stärken.

 

Bei den Woke-People werden vermeintliche Minderheiten genauso bekämpft, wenn sie ihnen wiedersprechen, wie offene Widersacher.

 

Der ideologische Mechanismus ist so primitiv, dass man ihn oft kaum erkennt: „Ich habe recht und du nicht!“ Sei gefälligst Opfer, oder wir bekämpfen dich, denn du stützt „das Patriarchat“, „Rechte“ oder „Homophobe“ etc. Es ist ein billiger Kampf um die „Deutungshoheit“. Wie unsicher Menschen sind, die unbedingten Zuspruch fordern, kann ich mir nur schwer vorstellen.

 

Leider fördert diese Gesellschaft einfaches Denken und bekämpft kritisches Hinterfragen.

 

Über die souveräne Antwort der Veranstalter der Buchmesse bin ich beruhigt. Zeigt sie doch, dass dort grundsätzlich alle Autoren willkommen sind.

Ich bin immer bei den Menschen, die sich gegen Spaltung stellen. Ob es um „Geimpfte gegen Ungeimpfte“ geht, wie in meinem Artikel IchBinEinMensch“ beschrieben. Wenn jene Krawall machen, die gefühlt jede Woche eine neue Minderheit erfinden, um sich als Opfer darzustellen, schüttelt es mich. Weil sie das nur tun, um sich so moralisch erhöht über andere zu stellen. Daraus ziehen sie ihre Befriedigung. Nicht aus sich selbst.

 

Eine intakte Mitte der Gesellschaft prägt, dass sie extremistische Ränder in ihrer scheuklappenbehafteten Selbstgefälligkeit entlarvt und kritisiert - und nicht im Strom einer taktischen und gewollten Ausgrenzung mit schwimmt. Und diese gesunde Mitte geht uns verloren, wenn wir nichts dagegen tun. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    FD (Mittwoch, 24 November 2021 08:11)

    Klasse Beitrag, passte perfekt zum Frühstück.
    Schöne Woche!